SPÖ-Landtagsklub startet Gesundheits-Kampagne. Platz für Gesundheit – Versorgen statt vertrösten.
SPÖ-Klubvorsitzende Sabine Engleitner-Neu: Mühlviertel unter Druck – Wer kränker ist, zahlt mehr Das Mühlviertel steht für das, was in ganz Oberösterreich falsch läuft – aber besonders deutlich: Eine Region mit weiten Wegen und damit dünner Ärzteversorgung und einer Bevölkerung, die für Gesundheitsleistungen tief in die Tasche greifen muss. 69 % der Befragten im Mühlviertel haben im vergangenen Jahr entweder eine private Kranken-Zusatzversicherung abgeschlossen oder für Kassenleistungen zugezahlt – für Zahnfüllungen, Impfungen, Physiotherapie und vieles mehr. Ein System, das für alle gleich sein sollte, finanziert sich zunehmend über die Taschen der Menschen. Kosten-Belastungseffekt: Kränkere zahlen mehr 1/3 der Menschen wendet ein Monatsgehalt pro Jahr für Zusatzzahlungen auf Besonders alarmierend ist die Verteilung nach Gesundheitszustand: 36 % der Menschen mit schlechtem Gesundheitszustand im Mühlviertel haben im Jahr 2025 mehr als 1.500 Euro privat für Gesundheitsleistungen ausgegeben. Dem gegenüber stehen nur 17 % mit gutem Gesundheitszustand. Wer also am meisten auf das System angewiesen ist, trägt die höchste Privatlast. Die finanzielle Belastung trifft dabei vor allem jene, die es sich am wenigsten leisten können. Bei Personen mit schlechtem Auskommen geben im Mühlviertel insgesamt 72 % an, unter einer hohen oder sehr hohen finanziellen Belastung durch private Gesundheitsausgaben zu leiden – das ist der höchste Wert im gesamten Bundesland und liegt deutlich über dem OÖ-Schnitt. Das System versagt genau dort, wo es am dringendsten gebraucht wird. Und noch eine Zahl, die im Mühlviertel auffällig ist: Auf den ersten Blick geben Mühlviertler:innen nominal weniger für private Gesundheitsleistungen aus als etwa Menschen im Zentralraum Linz. Das ist aber kein Zeichen guter Versorgung, sondern erzwungener Verzicht. Die Angebote, für die man privat zuzahlen könnte, also Wahlärzt:innen oder Privatordinationen, sind im Mühlviertel nur in geringerem Ausmaß vorhanden. Wer keine Wahl hat, kann auch nicht zuzahlen. Im Durchschnitt sind es 22% der Mühlviertler:innen, die über 1.500€ pro Jahr für Gesundheitsleistungen ausgeben, im Zentralraum Linz/Linz-Land sind es hingegen 39%. Bestätigte Zweiklassen-Medizin: Privatversicherte werden in OÖ nachweislich bis zu 20 % schneller operiert als Kassenpatient:innen. In manchen Bereichen weichen sogar mehr als ein Fünftel der Betroffenen auf die Sonderklasse aus, weil sie nicht mehr darauf vertrauen, in der allgemeinen Klasse rechtzeitig versorgt zu werden. 85 % der Mühlviertler:innen stimmen zu, dass Privat- oder Zusatzversicherte schneller einen Termin bei Fachärzt:innen oder für Operationen bekommen. 82 % sagen, sie bekommen bessere medizinische Leistungen. Das ist der höchste Wert im gesamten Bundesland. Und nur noch 58 % glauben, dass in medizinischen Notfällen alle, unabhängig vom Einkommen, die beste Versorgung erhalten. Das ist ein dramatischer Vertrauensverlust in ein System, das für alle da sein sollte.