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SPÖ Frauen mit Kampagne „Unerhört“ im Bezirk unterwegs

Die SPÖ Frauen Oberösterreich haben sich heuer speziell den Schwerpunkt gesetzt, vor allem Frauen in schwierigen Lebenssituationen, die oft kaum sichtbar sind, ins Rampenlicht zu rücken. „Weil Menschen in schwierigen Lebenslagen bei den üblichen Methoden der Bürgerinnenbeteiligung keine Stimme haben und sich auch nicht zu Wort melden, um ihren Forderungen und Wünschen Ausdruck zu verleihen, haben die SPÖ Frauen OÖ ein besonderes Beteiligungsprojekt für/mit Frauen in schwierigen Lebenslagen umgesetzt. „Wir wollten wissen: Wie hat sich das Leben von Frauen in Oberösterreich in Zeiten der Krise verändert? Wo gibt es Handlungsbedarf?“, erläutert Bezirksfrauenvorsitzende Sabine Schatz die Idee zu diesem Projekt.
Die Ergebnisse der Befragungen flossen in eine Broschüre, die Basis für das inhaltliche Programm der SPÖ Frauen ist. Die Geschichten in der Broschüre sind vereinfacht dargestellt, aber real. Die Zitate stammen tatsächlich von den befragten Frauen, die durch die gezeichneten Figuren symbolisch dargestellt werden. Sie ist nach Alter und Themen aufgebaut. Jedem Alter ist ein Themenbereich zugeordnet. Freilich ist die Zuordnung nicht starr oder unveränderbar zu sehen. Natürlich kann es genauso sein, dass eine 30-jährige Frau in eine lange Arbeitslosigkeit gerät oder dass eine 50-Jährige nur noch einen atypischen Job findet.
Neu sind die Probleme und Themen, die im Zuge dieser Befragung aufgetaucht sind, alle nicht: ungerechte und ungerechtfertigte Einkommensunterschiede, Frauen über 50, die es am Arbeitsmarkt, der zunehmend von atypischen Beschäftigungsverhältnissen geprägt ist, schwer haben, die Tatsache, dass der überwiegende Teil der Familienarbeit nach wie vor von Frauen geleistet wird, und und…
Das Projekt Unerhört:
Ziel des Beteiligungsprojektes Unerhört ist es, Frauen vor den Vorhang zu holen, deren Probleme oft „ungehört“ und „unerhört“ sind.
Dazu wurden oberösterreichweit Interviewpartnerinnen ausgebildet, in unserem Fall Viktoria Frühwirth aus Perg und Bgm.in Hilde Prandner aus Luftenberg. Nach einem gemeinsam entwickelten Interviewleitfaden wurden dann konkret Frauen im Bezirk interviewt.
In einem Auswertungsworkshop wurden die Ergebnisse gesammelt und daraus die Broschüre erarbeitet. Insgesamt wurden weit über 40 Gespräche geführt. „Ich selbst habe mit einigen Frauen gesprochen. Es war natürlich nicht immer einfach, Frauen zu finden, die über ihre Situation sprechen wollten. Die Scham ist oft zu groß. In der Vertrautheit der Gesprächssituation und Anonymität fanden aber doch einige den Mut, über ihren Alltag und ihre Probleme und Sorgen zu sprechen.“

Frauen in schwierigen Lebenslagen im Fokus

Befragt wurden Frauen in prekären Verhältnissen – ohne oder mit wenig Einkommen. Alleinerzieherinnen, Hilfsarbeiterinnen, Mindestpensionistinnen, Langzeitarbeitslose, Frauen als pflegende Angehörige und mit entsprechenden Mehrfachbelastungen, aber auch sogenannte EPUs sowie Expertinnen aus Frauenberatungseinrichtungen. Die Vielschichtigkeit der Anforderungen, die notwendigen, aber mangelhaften Strukturen zur Unterstützung und insgesamt die Bedürfnisse und Probleme dieser Frauen wurden in den Fokus gerückt. Es wird zwar viel über Frauen/Doppelbelastung/Einkommen/Karriere gesprochen – die Situation von Frauen in angespannten (Einkommens-)Verhältnissen gerät dabei aber manchmal aus dem Blickwinkel. In den Gesprächen lernten wir die unterschiedlichen Seiten eines Frauenlebens und ganz persönliche Geschichten kennen. Arm, das sind nicht nur Obdachlose draußen auf den Parkbänken oder KlientInnen in Sozialeinrichtungen. Das ist oft die Frau von nebenan, mit dem kleinen Kind an der Hand. An Träume, Wünsche, Visionen wagen diese Frauen nicht einmal zu denken, weil sie ohnehin nicht erfüllbar scheinen.

Vom sozialen Rand wieder in die Mitte rücken

Die Gesprächspartnerinnen erzählen von ihrem Leben am Rande – am Rand der Armutsgrenze, am Rand der Belastbarkeit und am Rand der Wahrnehmung. Es ist unerhört, was die Frauen erzählen und es bleibt auch oft ungehört. „Wir möchten aufzeigen: die Probleme der Frauen sind nicht individuell und schon gar nicht sind die Frauen selbst dafür verantwortlich. Es genügt auch nicht, von den Schicksalen bloß berührt zu sein. Wir lassen es nicht zu, dass die Frauen an den Rand gedrängt werden – wir setzen uns für sie ein und sie sollen wissen: „Ihr seid gut so wie ihr seid und wir stellen uns an eure Seite“, so Schatz. „Wir wollen insgesamt dafür sorgen, dass jene Frauen stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken, die die echten ‚Powerfrauen‘ sind: Die Tag für Tag ihren noch so schwierigen Alltag meistern, die immer wieder aufstehen, auch wenn es an ihren Kräften zehrt und die dennoch ihren Optimismus nicht verloren haben“.

„Hauptursache an diesen Lebenssituationen ist vielfach das Rollenbild der Frau in unserer Gesellschaft. Die Frau übernimmt die Pflege, die Frau übernimmt die Kinderbetreuung, die Frau bleibt ohne Arbeit zu Hause. Dadurch können Abhängigkeiten entstehen, die am Ende zu Lasten der Frauen gehen. Nach längeren Vorgesprächen haben sich einige Frauen bereit erklärt, mit mir über ihr, für sie ganz alltägliches Leben zu sprechen. Ich bekam einen Einblick in 18 Stunden Tage einer pflegenden Frau, von Nudeln mit Ketchup als einzige warme Mahlzeit so gut wie ab jedem 22. des Monats und von psychischer Gewalt in der Familie, wo die Betroffene einfach das Gefühl hat, es gibt für sie keinen Ausweg als zu bleiben“, beschreibt Viktoria Frühwirth den Kern der Aussagen aus den geführten Gesprächen.

Ein Hamsterrad ist keine Karriereleiter

Auch in der historischen Geschichte der Frauenbewegung wird immer wieder gerne das Märchen erzählt „Ihr Frauen müsst euch nur anstrengen, ihr müsst nur wollen, dann schafft ihr das schon. Lernt, bildet euch, schaut, dass ihr die Sprache besser beherrscht und ‚fit to work‘ seid…. „ So wird den Frauen suggeriert, dass das Hamsterrad eine Karriereleiter ist. In Wahrheit sind die Bemühungen vergeblich und ein besseres Leben bleibt immer gleich weit entfernt. „Genau das ist aber auch das große Problem: die Frauen schämen sich für ihre prekäre Situation – und bedenken nicht dabei, dass sie nicht selbst verantwortlich sind dafür. Es ist ein Menschenrecht, ausreichend zu verdienen, einen guten Arbeitsplatz und eine gute Infrastruktur (Kinderbetreuung, Pflegebetreuungsplätze, Beratungseinrichtungen, Kursplätze) zu haben, das sind keine Almosen. Jede Frau, jeder Mensch hat ein Recht auf eine gute Lebensqualität – dafür werden wir uns in OÖ stark machen!“, so Schatz. Es geht bei der Unterstützung nicht um Almosen, sondern um Rechte, die den Frauen zustehen und die es zu sichern gilt! „Endlich hört mir mal jemand zu“, war oft der Schlusssatz eines Gespräches. Wichtig ist, die Probleme der Frauen, die in prekären Lebenssituationen leben, ernst zu nehmen.“, betont Viktoria Frühwirth.

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